Die Kletterwand für die School For Life ist fast fertig !

with Keine Kommentare

Neben dem Alltag in der School For Life habe ich natürlich eins meiner Hauptprojekte nicht vergessen: der Bau einer Kletterwand für die Kinder.

Ich will in diesem Artikel versuchen, die Planung, die Probleme und den Bau der Kletterwand zusammenzufassen. Besonders möchte ich auch die Veränderung und Entwicklung meiner Herangehensweise nachzeichnen.

Anfangs kam ich in der Schule an mit dem Gedanken, einfach eine stabile Hauswand zu finden, um die Klettergriffe aus Deutschland daran zu befestigen. Erstes Problem: Was die Thais unter stabil verstehen, wird in Deutschland für den Bau eines besseren Gartenhäuschens verwendet. Es macht in der Schule aufgrund des Klimas und der Umgebung auch einfach keinen Sinn, große Häuser mit dicken Betonwänden zu bauen. In der Schule war also selbst nach eingehender Suche keine geeignete Wand zu finden, da hier alles aus dünnen Backsteinen gebaut wird.

Da ich mir das eigentlich schon gedacht hatte, musst also Plan B her: Eine freistehende kleine Boulderwand für die Kinder zum Herumturnen. Zwar aufwändiger und teurer, aber an und für sich die schönere Variante.

Aber wie baut man so etwas? Und warum bin ich derjenige, der dafür zuständig ist, obwohl ich kaum Erfahrung habe mit so etwas? Wäre es nicht einfacher, jemanden der sich auskennt, für den Bau zu bezahlen? Erste Zweifel an der tatsächlichen Umsetzung meines Projektes kamen mir. Hinzu kam noch die Schwierigkeit der Verständigung. Da die Arbeiter der Schule quasi kein Englisch sprechen, fragt sich, wie man es schafft ihnen komplexe Arbeitsschritte zu erklären oder überhaupt zu veranschaulichen, was überhaupt eine Kletterwand ist und warum ausgerechnet ich die da jetzt aufbauen will (Vorausgesetzt, ich kann sie überhaupt überzeugen mir zu helfen). Es gibt zwar Übersetzter an der Schule, aber auch dabei geht viel an wichtiger Information verloren oder kommt falsch rüber. Da man in Thailand extrem auf die Hierarchie innerhalb der Gesellschaft achten muss, kann es bei der Vermittlung über Dritte schnell passieren, dass man jemanden unbewusst kränkt oder unter Druck setzt. Genau das wollte ich jedoch vermeiden. Wer mir helfen will, sollte dies aus freien Stücken tun oder gegen ein Bierchen am Abend, aber nicht, weil ihm von irgendjemandem übersetzt wird: „Hey, da ist ein Volontär, der eine Kletterwand bauen will und du musst ihm jetzt helfen.“ Da kann nichts Gutes bei herauskommen.

Zur praktischen Seite: Nachdem die einfache Hauswand also weggefallen war, plante ich eine Art freistehendes kleines Haus, an dem man außen herumklettern kann. Hier eine kurze Liste der wichtigsten Fragen, die ich mir vor dem Bau gestellt habe:

  • Welche Materialien verwende ich? Holz, Bambus, Metall, Aluminium? Welche Rolle spielt die Witterung, Regen, Feuchtigkeit etc.?
  • Wie hoch kann die Wand sein, ohne dass sich jemand schwer verletzt wenn er fällt?
  • Wer hilft mir bei dem Bau, wie viel Zeit muss ich für eine Wand einplanen?
  • Wie stabil muss das Ganze sein? Fundament aus Beton?

Da Holzwände oder Bambusstrukturen (welche sehr stabil, allerdings leider sehr kurzlebig sind) aufgrund der Witterung und der kommenden Regenzeit keine Option waren, musste ich auf anderes Material wie Aluminium, Metall und artifizielles Holz umsatteln.

Allerdings bringen stärkere Materialien weitere Schwierigkeiten mit sich. Gibt es das nötige Equipment für das Schneiden und Bohren des Materials? Wer kann Alu schweißen (ich auf jeden Fall nicht)? Wie verhält sich künstliches Holz beim Bohren und Schneiden?

Ich machte mich also an die Arbeit, das Material und die Werkzeuge ausfindig zu machen. Einer der Lehrer mit einer Ausbildung zum Schweißer, erklärte sich bereit mir zu helfen und auch weitere Kleinigkeiten wie Fundament, Bauort und Zeitplanung wurden in die Planung mit einbezogen. Anfang Dezember hatte ich dann nach einem Monat in der SFL genug gewartet: Endlich anfangen!!

Blöderweise kann man, und dass musste ich auch lernen, in der School For Life und in der thailändischen Kultur absolut nichts erzwingen. Die Dinge fliegen einem eher zu, wenn man es am wenigsten erwartet. Man muss nur darauf vertrauen, dass es funktioniert und nicht gleich aufgeben, nur weil gerade wichtigere Dinge als man selbst anstehen.

So hat sich der Bau dann aufgrund vieler kleiner Ablenkungen doch noch um zwei Wochen verzögert. Auf der anderen Seite ging dann irgendwann plötzlich alles sehr schnell und wir hatten innerhalb von einer Woche das Gerüst fertig geschweißt, die Bretter geschnitten und das restliche Material gekauft.

Über Weihnachten mussten wir dann wieder eine Pause einlegen, und ich konnte erst letzte Woche den Bau der Wand wieder aufnehmen.

Der jetzige Stand: Das Gerüst ist fertig, die Löcher sind gebohrt, die Bretter zugeschnitten, die Löcher für das Fundament sind ausgehoben. Ich habe die letzte Woche jeden Tag damit zugebracht, die vielen Löcher zu bohren und noch einmal kleinere Probleme wegen der Befestigung der Griffe und der Statik der Wand behoben (Ich mache das ja auch zum ersten Mal).

Diesen Montag muss ich über die Grenze nach Myanmar, um mein Visum zu verlängern, aber nächste Woche wird dann die Kletterwand in den Boden eingelassen und ist dann im Prinzip fertig. Mal schauen, wie stabil das Ganze dann ist und wie die Kinder damit zurechtkommen !

Als vorläufiges Fazit muss ich zugeben, dass ich wirklich überrascht bin, wie gut dann doch irgendwie alles geklappt hat und wie weit ich, bzw. wir schon gekommen sind. Wenn man bedenkt, das ich das auch noch nie wirklich gemacht habe und jeder auch seine eigenen Probleme und Aufgaben in der Schule hat neben dem Bau einer Kletterwand. Dennoch: es funktioniert, zwar immer etwas anders als gedacht, aber darauf kommt es ja auch nicht an. Es gibt Tage, da scheitert der Bau am Fehlen eines Verlängerungskabels und dann gibt es wiederum Tage, an denen mithilfe der Schüler und Lehrer die Verluste dieser Tage in wenigen Stunden aufgeholt werden. Wenn man sich nicht von kleineren Rückschlägen unterkriegen lässt und nicht das Ziel vor den Augen verliert, kann man hier viel auf die Beine stellen. Man sollte eben nur nicht versuchen, irgendwelche externen Strukturen in eine Schablone zu pressen, die so gar nicht an den Alltag in der SFL angepasst ist. Das führt nur zu Frustration und Resignation.

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, was ich dort aufbauen will und die Kinder und Lehrer verstehen auch mehr und mehr, was ihnen eine Kletterwand „bringt“. Es hat sich inzwischen ein kleiner Kreis aus Schülern, Lehrern, Volontären und Arbeitern gebildet, die mir ständig mit einer Energie und Freundlichkeit helfen, die einen schnell die kleinen Probleme und Schwierigkeiten des Bauens vergessen lässt. Ich bin froh und auch ein bisschen stolz, wie weit wir schon gekommen sind und bin gespannt, wo es mit meinem Projekt hingeht und ob wir auch den letzten Schritt noch schaffen. Aber ich bin insgesamt sehr postitv gestimmt !