Alltag in der SFL: Leben und Lernen

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Seit 3 Wochen verbringe ich nun meine Zeit in der School for Life und habe mich, soweit man das als “Farang” (Ausländer) sagen darf, inzwischen ganz gut eingegliedert. Der gemütliche Tagesrhytmus wird so langsam zur eigenen Gewohnheit und man muss aufpassen, bei all der Unbeschwertheit nicht das eigentliche Ziel des Aufenthalts zu vergessen – aber Moment mal: Wieso bin ich eigentlich hier ?

Es ist vielleicht etwas ungeschickt, diese Frage als Volontär einer Stiftung so in den Raum zu stellen, aber manchmal frage ich mich das wirklich. Das liegt vermutlich nicht zuletzt daran, dass man hier erst einmal seinen Platz finden muss, bevor man anfangen kann, produktiv zu arbeiten. Es wird nichts von einem erwartet, gleichzeitig hat man jedoch sehr hohe Erwartungen an sich selbst. Man will die Zeit hier nicht verschwenden. Fünf Monate sind schnell vorbei, also fange ich am Besten gleich an, mein Projekt in die Tat umzusetzen ! Heute plane ich, morgen mache ich, und übermorgen bin ich fertig !

Aber jetzt einmal langsam. Wollen wir mal dem unausgesrpochenen thailändischen Leitsatz folgen: Alles mir der Ruhe !

Als Voluntär in der School for Life hat man als allererstes die Aufgabe selber zu lernen, was für manche (ich schließe mich da mit ein) sicher schwer zu akzeptieren ist. Es geht darum zu begreifen, wie die thailändische Kultur funktioniert, was den Alltag und das Lebensgefühl der Thais bestimmt und welche Dinge als wichtig und welche als weniger wichtig erachtet werden. So wird zum Beispiel grundsätzlich nichts wirklich geplant. Der Alltag gestaltet sich eher als ein ständiger Lösunsansatz für immer währende Kleinprobleme, welche in ihrer Summe den großen Problemen in nichts nachstehen. Wenn man also mit dem Arbeiter über den Bau der Kletterwand diskutiert und nebendran seine Frau mit dem Spaten die Wasserleitung durchtrennt, so ist dies erst einmal wichtiger als mein sorgfältig geplantes Projekt.

Mit derart kleinen Rückschlägen muss man rechnen, aber anstatt sich davon unterkriegen zu lassen, nutzt man diese Art der Thais lieber zu seinem Vorteil. Also: Nichts mit Planen, einfach Handeln ! So nimmt man sich die 15 Minuten Zeit, um die Wasserleitung auszuwechseln, und nachdem man zum Essen eingeladen wurde, ist danach dann immer noch Zeit, für die vermeintlich wichtigen Dinge.

Mein Punkt ist also folgender: In Thailand funktioniert vieles anders. Zu beschreiben, was das alles ist, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen (außerdem bin ich ja selbst erst seit einem Monat hier). Aber ich denke, mein selbst erlebtes kleines Beispiel zeichnet ein ungefähres Bild. Ob anders in diesem Fall besser oder schlechter bedeutet, bleibt der eigenen Beurteilung überlassen. Ich für meinen Teil komme damit ganz gut zurecht. Auch wenn man als motivierter Volontär viele Rückschläge erleben wird, weil eben vieles nicht so funktioniert, wie man sich das wünscht oder vorgestellt hat, kann man hier viel auf die Beine stellen. Aber eben auf Thai-Art ! Alles andere ist eher kontraproduktiv…

Farmarbeit
Ein motorisierter Pflug soll die Farmarbeit erleichtern

 

Um auf meine Anfangsfrage “Wieso bin ich eigentlich hier ?” zurückzukommen, so ist die Antwort sicherlich nicht: “Um eine Kletterwand zu bauen.” Dies ist eher ein Teil derselben. Es wird wohl irgendetwas zwischen dem Verstehen einer fremden Kultur und dem Einbringen eigener Ideen und Werte sein. So wirklich wissen werde ich das wohl erst, wenn meine Zeit hier vorbei ist.