3. Etappe: Outward Bound Schule Schwangau – Lernen mal ganz anders

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Sonntagabend: Die Sonne neigt sich über dem weiten Gelände der Outward Bound Schule in Schwangau. Nach einer längeren Lauf – und Trampetappe erblicken wir die roten Fahnen mit dem Kompassiegel. Ein Kompass steht auf unserer Reise symbolisch für unsere Suche nach Orientierung, wertvollen Begegnungen und ansprechenden Lebenskonzepten. Anfangs hätten wir nicht gedacht, dass wir davon an diesem Ort so vieles finden können.

Philipp Heckmann, Projektmanager, begrüßt uns in legerer Kleidung auf dem Campus, weist uns gastfreundlich ein vorbereitetes Appartement zu und deckt uns mit Spätzle aus dem Personalkühlschrank ein. Nach einem ersten Austausch schauen wir uns auf dem Gelände um: Hier finden sich Kletter- und Hochseilgärten, Feuerstellen, rauschende Bäche, häuserhohe Bäume und viele weitere Attraktionen, die dazu dienen, den Kindern und Jugendlichen (teilweise auch Erwachsenen) ein unvergesslichen Aufenthalt zu bescheren. Dabei geht es nicht um möglichst aktionreiche Events, die an Extremsport denken oder einfach einen besonderen Kick versprechen lassen. Vielmehr geht es um Erlebnisse, die nur durch Zusammenarbeit, Vertrauen und Eigenverantwortung gelingen können. Das dürfen wir eine ganze Woche lang erfahren – Lutz in einer Gruppe mit FörderschülerInnen und ich mit einer „ganz gewöhnlichen“ 7. Klasse aus der Nähe von Weingarten.

Nach einer ungewohnt erholsamen Nacht (schließlich begnügen wir uns sonst mit Isomatten und Schlafsäcken) fühlen wir uns wie neu geboren und sind gespannt auf die Teambesprechungen am Morgen. Die TrainerInnen werden informiert, auf welche Besonderheiten sie bei der bald anreisenden Gruppe beachten müssen (Alter, Gruppengröße, Verhaltensauffälligkeiten, Medikamente, Ängste etc.). Es wirkt wie ein Versuch der Absicherung bei gleichzeitigem Umstand, dass ein Erlebnispädagoge immer bereits mit einem Fuß im Gefängnis steht.

Die Ankunft der Kinder ist immer spannend: Es ist schließlich die erste Begegnung, bei der gut Reaktionen der Kinder zu beobachten sind. Zimmer werden ausgesucht, Rundgänge gemacht und es wird in die Struktur des Hauses eingeführt. Dann folgt ein erstes Zusammentreffen in den Wohn-Einheiten, in denen die TrainerInnen dann alleine mit ihrer Kleingruppe arbeiten. Erwartungen und Ängste werden abgefragt, Wünsche können geäußert werden und erste Problem-Löse-Aufgaben (PLAs) werden gestellt. Am Abend fallen die Kinder über ein gesundes Essen her und bis in den späten Abend wird die Umgebung erkundschaftet. Was werden die nächsten Tage bringen? Werde ich da hoch klettern? Traue ich mir das zu?

Der Morgen beginnt um 7:45 Uhr mit dem Wetterbericht, der von Kindern verlesen wird und einem ausgewählten Spruch des Tages wie „Nur wer mutig ist, sagt, ich habe Angst.“. Nach dem Frühstück werden Lunchpakete geschmiert. Die Tage sind gefüllt mit einem bunten Programm aus Klettern, Abseilen, dem Flying Fox, the Wall, Speed Ball, Schoko-Fluss, Floßbau, Bachbettwanderung, PLAs, gemeinsamem Kochen, Stockbrot backen – die Devise: Draußen sein und leben mit und in der Natur.

Was macht nun den Unterschied zu einem Feriencamp?

Beobachtbar ist zweierlei: Zum einen lebt jedes Erlebnis von der Reflexion (Wie habt ihr euch gefühlt? An welcher Stelle tauchten Probleme auf? Habt ihr euch gegenseitig unterstützt? Was könnte zum Gelingen beitragen? Was könntet ihr beim nächsten Mal besser machen? Etc.)

Zum anderen ist in allen Übungen die Geduld des Trainers ganz entscheidend. Im Schulkontext ist oftmals wenig Zeit, um die Kinder alle Irrwege ausprobieren zu lassen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, selbst auf die richtige Antwort zu kommen. Trainer Christian sagt: „Wir haben hier die Zeit, Kinder den Umgang mit Frust erleben zu lassen.“. Es ist das Abwarten, das geringe Intervenieren – die Gelassenheit, Kinder etwas aushandeln und neue Strategien entwickeln zu lassen. Ganz nach Deweys Ansatz „Learning by doing“.

Mein persönliches Highlight der Woche war das Herunterstürzen am „Flyining Fox“, einer 30m hohen und 200m langen Seilbahn. Zudem die lustigen und unterhaltsamen Abende in der Großküche beim Abwasch mit Daniel und Mischka.

Wir sind dankbar für die Erfahrung und wurden darin bestärkt, Erlebnispädagogik in unsere eigene Praxis mit einzubauen. Ganz herzlich wollen wir uns an dieser Stelle nochmal für das Vertrauen und die Offenheit beim Outward Bound Team bedanken.